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Autor: Susanne Westphal - Institut für Arbeitslust URL: https://arbeitslust.de

Mütter und Väter im Homeoffice

Überlebenstricks zwischen Kinderzimmer, Schreibtisch und Küche

Es sind ganz besondere Erfahrungen, die wir berufstätigen Eltern derzeit im Homeoffice machen: 24 Stunden täglich Zeit mit den Kindern verbringen, parallel die Arbeit gewuppt bekommen, zusehen, dass alle satt werden und nicht im Dreck ersticken und dabei nicht durchdrehen.

Ich kann nicht jammern. Ich lebe in der Luxussituation einer Wohnung mit einem großen Garten, in der wir uns wohl fühlen und alle Platz und auch Rückzugsmöglichkeiten haben. Die Kinder sind schon so groß, dass sie sich selbst zu beschäftigen wissen „Mama, ich hab jetzt keine Zeit, lass uns später etwas spielen“ höre ich eher als „mir ist langweilig!“ Außerdem bin unendlich froh, dass ich als Mutter nicht für alles verantwortlich bin, denn alle packen hier mit an, vor allem mein Mann. Ich kann jede Mutter und jeden Vater sehr gut verstehen, dass die Nerven schnell blank liegen, wenn Kinder kleiner sind und wirklich jede Minute am Rockzipfel oder Hosenbein hängen. Ich erinnere mich gut an die Phase, als unsere 5 Kinder kleiner waren und ich im Homeoffice arbeitete (wenn auch ohne Coronakrise).  Meine Überlebenstricks damals gelten auch noch heute und ich kann sie auf vier wichtige Punkte reduzieren:

1. Den Perfektionswahn abstellen! Die Wohnung darf auch mal unaufgeräumt sein, es muss nicht jeder Winkel täglich geputzt werden. T-Shirts können auch zweimal getragen werden. Und Alfons Schuhbeck blickt mir nicht kritisch über die Schulter, nur weil ich mal Tiefkühlpizza in den Backofen schiebe.

2. Partnerschaft kommt von Augenhöhe! Daher sollte Verantwortung auch fair verteilt werden. Aber: Wer die Verantwortung hat, darf dann auch machen, wie er oder sie es für richtig hält. Es macht eben keinen Spaß, wenn jemand die Spülmaschine noch einmal aus- und wieder neu einräumt, weil man es „nicht richtig“ gemacht hätte. Wer an den anderen nur Aufgaben verteilt, à là „Häng´ doch mal die Wäsche auf! Bring den Müll runter! Bring die leeren Kästen weg!“ erzieht den anderen zum Handlanger, nicht zum Partner.

3. Jeden Tag etwas Schönes für mich machen! Und wenn ich mich einfach mal für eine halbe Stunde mit einem schönen Buch in die heiße Badewanne lege: Ich brauche jeden Tag eine kleine Auszeit für mich, einen Genussmoment in Ruhe. Dann freue ich mich wieder auf die wilden Rabauken, auf meinen Schreibtisch, auf das Abhaken meiner To-do-Listen.

4. Hilfe einfordern und annehmen! Es ist nicht ehrenrührig, Nachbarn oder Freunde um Unterstützung zu bitten. Warum also nicht mal mit anderen Eltern vereinbaren, dass man an einem Nachmittag alle Kinder übernimmt?! Ob ich nun mit zwei oder vier Kindern zum Spielplatz gehe, ist kaum aufwändiger. Aber ich habe einen freien Nachmittag gewonnen. Besonders Alleinerziehende brauchen dringend Unterstützung, kein Mensch kann jede Minute allein für alle und alles verantwortlich sein. Und vielleicht gibt es ja jemanden in der Nähe, der etwas besonders gern macht: Latein üben, mit Kindern etwas kochen oder backen, gärtnern, malen.

 

Im Moment übe ich mich hier vor allem im „Mut zur Lücke“: Der Bügelkorb quillt über — egal! Ich weiß, dass die Kinder gerade mit Hausaufgaben und Lernstoff hinterherhinken. Aber, hey!,  sie haben gelernt, wie man Dokumente in ein pdf-Format umwandelt und per E-Mail verschickt, sie können Pancakes machen (und mir morgens ans Bett servieren), sie wissen, wie man Tomaten „ausgeizt“, haben herausgefunden wie man das perekte Dressing für Cesar´s Salad zaubert und sie kamen von selbst auf die Idee, mit ihren großen Geschwistern in Hamburg via Zoom ein Brettspiel zu spielen (das in beiden Wohnzimmern parallel aufgebaut wurde).

 

Mich interessiert sehr: Wie geht es Euch gerade mit Kindern im Homeoffice? Wirft uns Corona in unseren Rollenbildern um Jahrzehnte zurück, wie Frau Allmendinger sagte? Was erscheint Euch am schwierigsten? Was würde Euch helfen? Bitte hinterlasst uns doch hier einen Kommentar, ich freue mich über den Austausch!

 

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2 responses on "Mütter und Väter im Homeoffice"

  1. Momentaufnahme aus dem Leben einer Corona-Mama

    Heute Morgen bin ich von alleine aufgewacht. Es muss nach acht Uhr gewesen sein! Ohne Wecker, „Maaama“ rufende Kinder oder Patsche-Händchen, die meine Augenlider aufklappen mit gleichzeitiger Forderung: „Mama, ich bin wach. Draußen ist es schon hell. Du sollst nicht mehr schlafen. Ich möchte runter!“

    Wann gab es das zuletzt? Ich kann mich nicht mehr erinnern.

    Seit langem fühle ich mich mal wieder ausgeruht, fit und voller Tatendrang. Obwohl ich gestern Abend – wie so oft in den letzten Wochen – im Wohnzimmer auf der Couch ins Koma gefallen bin. Das passiert eigentlich immer, sobald ich mich kurz hinsetze. Und ich wache auf mit laufendem Fernseher, dessen Programm (und es laufen nachts teilweise sehr seltsame Sachen!) ich regelmäßig in meine Träume einbaue. Nicht wirklich erholsam. Aber heute bin ich glücklich und optimistisch, dass ich alles schaffen kann. Gestern war Muttertag und gleichzeitig der Geburtstag meiner Mama. Ich habe den ganzen Tag mit ihr, meinem Vater, meinem Bruder und seiner Freundin bei meinen Eltern zu Hause verbracht. Wir haben in Ruhe gefrühstückt, geredet, gelacht, zu Mittag gegessen, geredet, gelacht, es gab Eis und von meinem Bruder selbst gebackenen Kuchen und viel gemeinsame Zeit. Eigentlich haben wir viel zu viel gegessen, fällt mir auf, während ich das hier so schreibe. Aber es war schön! Erwachsenengespräche ohne ständige Unterbrechungen, jeder ging zwischendurch seiner Wege, um sich dann an der reich gedeckten Tafel wieder zusammenzufinden. Ich war im Garten und habe die wunderschön blühenden Blumen angesehen und die Ruhe genossen, die im Hintergrund nur durch ein wenig Vogelgezwitscher und Froschquaken aus dem Teich des Nachbarn durchbrochen wurde.

    Meine Mutter ist mir wichtig! Genau wie mein Vater ist sie die, die immer da ist. Die mir zuhört, wenn ich mal wieder kurz vorm Nervenzusammenbruch stehe. Mir Ratschläge gibt, wenn ich sie darum bitte. Und lacht, wenn ich mal wieder alles viel zu ernst sehe. Meine Eltern sind die Retter in der Not, ob emotional, zurechtrückend, objektiv den kühlen Kopf bewahrend – selbst finanziell, wenn es mal eng wird. Mama ist ein Vorbild für mich! Sie ist stark, zielstrebig und klug. Sie ist es, die es als ältestes Mädchen von zwölf Kindern durchgesetzt hat, eine Ausbildung machen zu dürfen, obwohl sie eigentlich im Haushalt „gebraucht“ wurde. Die für ihre jüngeren Geschwister die Mutterrolle übernommen hat und bis heute großherzig auch an andere denkt. Die unter widrigsten Bedingungen im kalten Zimmer ohne Heizung und ohne Geld für Bücher studiert hat und nach meiner Geburt im Anschluss an den Mutterschutz gleich wieder arbeiten gegangen ist (was in den 70er Jahren alles andere als an der Tagesordnung war). Sie hat mit meinem Vater, der es als Einzelkind gewohnt war, verwöhnt und betüddelt zu werden (ich weiß Papa, das wirst du jetzt nicht gerne lesen), Konflikte ausgetragen und sich der traditionellen Rollenverteilung erfolgreich widersetzt. Für meinen Vater ist es bis heute selbstverständlich, auch unter den argwöhnischen Blicken und dummen Bemerkungen des Nachbarn die Wäsche aufzuhängen, zu staubsaugen oder die Einkäufe zu erledigen. Als Kind dachte ich immer, das sei „normal“, bis ich zuerst in den Familien meiner Freundinnen gesehen habe und später in der großen weiten (auch und vor allem der Arbeits-) Welt feststellen musste, dass es leider nach wie vor überwiegend Männer sind, die in den meisten Bereichen die Macht und das Sagen haben. Dass ihr mir Gleichberechtigung vorgelebt habt, dafür danke ich euch! Heute bin ich selbst Mutter und weiß mehr denn je zu schätzen, was du Löwen-Mama, für uns „Kinder“ geleistet und erkämpft hast.

    Mit dem traditionellen Muttertagsfrühstück wollte ich meiner Mutter eine Freude machen, aber ich habe mich auch selbst beschenkt. Den Vortag habe ich genutzt, um zu kochen – sogar Sirup und Marmelade! –, Eis zu machen und zu backen (den Hefezopf empfehle ich nur eingeschränkt, er ist zwar gut gelungen und hat super geschmeckt, aber man braucht eeeeewig Zeit, weil das verdammte Ding dauernd ruhen und gehen will). Wer mich kennt, weiß, dass ich am Herd stehen früher gehasst habe und auch nicht mal in Ansätzen gut konnte. Ich muss es leider so sagen. Das Ergebnis eines Käsekuchenversuchs, der beim Umstürzen komplett flüssig auf dem Herd gelandet ist, weil ich unter „unbedingt lange genug auskühlen lassen“ fünf Minuten verstanden habe, hat mein Bruder bewundernd „Dresden 45“ getauft!

    Aber Vorgestern war es für mich eine Kraftquelle, den verrückten Corona-Alltag mit zwei Kleinkindern (K1 ist im Januar drei Jahre alt geworden und K2 wird im Juli 2) weiterhin meistern zu können. Es hat mir gut getan, konzentriert und fokussiert Leckeres herzustellen, die Zeit zu vergessen und ganz im Hier und Jetzt sein zu können.

    Ganze zwei Tage hatte ich Zeit, Dinge zu tun, die ICH tun wollte, ohne auf die Bedürfnisse meiner Familie, insbesondere meiner beiden Goldschätze, Rücksicht nehmen zu müssen. Ich konnte ganz laut MEINE Musik hören und dazu zählen nicht Lieder wie „Laterne, Laterne“; „Häschen in der Grube“ oder „La le lu“! Ich konnte mich ohne Zeitdruck duschen, eincremen, schminken und föhnen. Genussvoll eine Schwarze-Johannisbeer-Joghurt-Maske in aller Ruhe einwirken lassen, die Erfrischung und eine samtweiche Haut versprochen und tatsächlich gehalten hat. Und es war sogar Zeit, nach Ewigkeiten meine Zähne mal wieder zu bleachen, was voraussetzt, für ein paar Stunden nicht sprechen zu können – im normalen Alltag mit zwei Kleinkindern undenkbar! Ich habe mich mit Nachbarn verquatscht, ohne im Hinterkopf meine To-Do-Liste mit mahnendem Zeigefinger nerven zu sehen. Ich konnte mir schicke Sachen anziehen, mich mal wieder als Frau fühlen, nicht nur als Muttertier mit bematschten, praktischen Jeans-, Turnschuh- und Pulli-Klamotten. Denn sind wir mal ehrlich: Wer zieht sich hohe Hacken und ein Seidenkleid an, wenn er zwei schokoladenliebenden Wirbelwinden und Weltentdeckern schutzlos ausgeliefert ist?! Denen er (in der Regel ist es SIE) sehr schnell und sehr oft hinterherlaufen muss, wenn sie mal wieder, wuselig wie Ameisenhaufen, in zwei verschiedenen Richtungen unterwegs sind, weil sie einen Hund, eine Katze, einen Käfer oder was auch immer entdeckt haben und nichts anderes mehr um sich herum wahrnehmen. Keine Straße, keinen Abhang, keine Brennesseln…

    Aber vor allem und das ist für mich gerade das Wichtigste: Ich kann schreiben. Das fehlt mir so unendlich. Und ich genieße es in vollen Zügen mit dem Laptop auf dem Schoß. Obwohl das Haus mehr oder weniger in Trümmern liegt, mich fünf große IKEA-Kisten mit immerhin gewaschener, nach Größen sortierter Kinderkleidung anstarren, die weggeräumt werden wollen, überall Spielsachen rumliegen und die zweite Hälfte der Bügelwäsche auf das heiße Eisen wartet (ich habe übrigens aus Zeitmangel seit Juni 2019 nicht mehr gebügelt…). Es ist mir gerade egal!

    Auch wenn mich diese in den Augen einer perfekten Hausfrau „Nachlässigkeit“ wieder einige Stunden Schlaf kosten wird, der mir ohnehin fehlt. Ich bleibe dabei, es ist mir egal!

    Mein Entschluss steht fest! Mein Leben darf sich nicht weiterhin nur auf Muttersein und Hausarbeit beschränken. Die Unzufriedenheit wächst von Tag zu Tag. Das zeichnet sich in der aktuellen Corona-Ausnahmesituation immer deutlicher ab. Meine Arbeit, mein(e) Beruf(ung) sind eben auch Bestandteil meiner Person.

    Mein Plan war, mich selbstständig zu machen, wenn K2 mit zwei ab August ENDLICH einen Kita-Platz hat. Die Zusage haben wir vor Corona erhalten. Was jetzt Stand der Dinge ist? Das weiß niemand. An unserem Wohnort ist die Situation derzeit so, dass die Kita in der Regelbetreuung (rund vier Stunden vormittags!) zum Glück zwar kostenlos ist (in der Nähe von Heidelberg haben wir für einen Halbtagsplatz monatlich an die 600 Euro FÜR EIN KIND bezahlt!), die Einrichtungen aber völlig ausgelastet sind und null Kapazitäten freihaben, kleinere Kinder unter zwei Jahren betreuen zu können.

    Der Business-Plan ist fertig, ruht in der Schublade und wartet geduldig auf seine Umsetzung. Ich hingegen werde zunehmend unruhig! Mir fehlt die intellektuelle Herausforderung, das berufliche Erfolgserlebnis, mal wieder unter Erwachsenen zu sein, „sinnvolle“ Gespräche zu führen (K1 und 2 sind momentan im Rollenspiel-Fieber und ich kommuniziere sehr oft mit Hähnen, Eichhörnchen, Fohlen, kleinen „Mini-Babys“, Yakaris, Annas und Elsas, Feuerwehrmann Sams, Maschas und Bären…).

    Und nicht, dass das jetzt falsch rüberkommt: Ich liebe meine beiden Wunschkinder über alles und würde sie niemals, für keinen Job und kein Geld dieser Welt wieder hergeben! Dennoch fehlt mir etwas, das mein Leben komplett und mich rundum zufrieden sein lässt. Ich möchte wieder arbeiten und wie meine Mutter für mich, Vorbild für meine Töchter sein. Die gleichberechtigt sind, finanziell unabhängig (ein tolles Gefühl!), sich Haus- und Care-Arbeit mit ihren Partnern gerecht aufteilen.

    Corona hat mich nicht nach meinem Plan gefragt. Der Scheiß-Virus (hätte ich beinahe geschrieben) ist einfach aufgetaucht, hat mich stärker ans Haus gefesselt und mein Leben mit den Kindern noch anstrengender und chaotischer gemacht, als es vorher ohnehin schon war.

    Mehr denn je bin ich Entertainerin, kreative Bastel-, Mal- und Knetexpertin, Sportlehrerin, Wanderführerin, Dompteurin, Ausflugsplanerin, Vorleserin, Trösterin, Ärztin, Streitschlichterin, Ins-Bett-Bringerin und vieles mehr. Und nicht, dass mir das keinen Spaß machen würde. Überwiegend liebe ich das, aber der kleine Rest – genannt das Bisschen Haushalt – macht sich eben nicht von allein!

    Ich koche, wasche, spüle, räume auf und hinterher, sortiere, staubsauge, putze (manchmal und müsste es öfter tun, damit ich mich wohlfühle…), und kaufe ein (möglichst nur einmal in der Woche, um die Kontaktanzahl möglichst gering zu halten, was wiederum aber mit einer sehr aufwendigen Planung verbunden ist).

    Alles dauert dreimal so lange, weil die zwei Teufelsbraten mir ewig am Bein kleben und gerne helfen wollen oder währenddessen auf sehr verrückte Ideen kommen, mit denen niemand rechnen kann. Meine Kinder sind sehr einfallsreich und in jeglicher Beziehung unberechenbar, was sie gleichzeitig noch liebenswerter macht!

    Ich versuche, sie in die Hausarbeit einzubinden, was mal mehr mal weniger erfolgreich gelingt. Selbst der Osterhase hat ganz uneigennützig kleine Besen und Putzutensilien gebracht. Das Bad mit den beiden sauber machen zu wollen, war zum Beispiel keine gute Idee. Anfangs noch Feuer und Flamme mit dem Swiffer-Staubmagneten umherwedelnd, waren sie, während ich mich mit scharfen Reinigern der Toilette widmen wollte, begeistert dabei, die Fische auf dem Grund des Badezimmerfußbodens mit Fischfutter (dutzende Tampons) anzulocken, um sie mit einer kleinen Plastikangel aus dem Tiefen des Meeres zu angeln. So habe ich zwar in der einen Ecke des Raumes kurzfristig etwas erreicht, die andere versinkt aber im Chaos. Auch einer meiner Meine-Kinder-Sitzen-Auf-Der-Arbeitsplatte-Während-Ich-Koche-Versuch ist kläglich gescheitert: K1 ist abgestürzt und K2 hat sich aus Neugierde die Finger verbrannt. Ging glücklicherweise alles glimpflich aus!

    Und so ist der Fernseher zu meinem Freund und Verbündeten geworden, der mich unterstützt, wenn ich dringend vorankommen und etwas alleine machen möchte. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an KIKA, Super RTL, Amazon Prime und Disney +! Ihr seid in vielen Momenten für mich unverzichtbar und in der Mama-Not zuverlässig zur Stelle. Auch die Erfinder von Pommes, Pizza, Tütensuppen und Co müssen dringend mal gelobt werden. Denn ihr seid es, die den Kindern und mir viele schöne Erlebnisse ermöglichen, wenn ich mich anstatt fürs aufwendigere, gesunde Kochen für den spontanen Ausflug an den nahegelegenen See, den Ententeich oder seit Neuestem zum Glück wieder zum Spielplatz entscheide. Ich kann mich schließlich nicht zehnteilen!

    Ich brauche Hilfe, die mir Corona versagt. Das macht mich wütend und lässt mich ohnmächtig zurück. Ich brauche Unterstützung bei der Kinderbetreuung und im Haushalt. Aber woher soll sie kommen? Die Kitas sind zu, die Großeltern sollen nicht betreuen und die Babysitterin, die zumindest zwei Stunden in der Woche kam, fällt ebenfalls weg. Eine zuverlässige Putzfrau habe ich schon vor dem Virus nicht finden können. Ein Gefühl der Hilflosigkeit macht sich breit.

    Wie schaffen das die anderen Mütter? Ich befinde mich noch in einer vergleichbar privilegierten Situation und jammere auf hohem Niveau. Mein Mann hat einen sicheren Beamtenjob, wir sind nicht von Kurzarbeit betroffen und finanziell ändert sich glücklicherweise nichts. Ich habe einen Partner, der zwar selten freiwillig aber zumindest nach vorheriger Beauftragung Aufgaben übernimmt, auch wenn das Sich-Verantwortlich-Fühlen und Für-Alle-Mitdenken-Und-Planen doch zum Großteil auf meinen Schultern lastet. Ich bin weder alleinerziehend, noch habe ich zusätzlich pflege- oder unterstützungsbedürftige Angehörige. Ich muss neben der Kinderbetreuung nicht gleichzeitig im Homeoffice arbeiten und mich Gott sei Dank auch nicht als Hobbypädagogin im Homeschooling bewähren (meine Kinder haben diesbezüglich gerade großes Glück!).

    Ich möchte den verantwortlichen Politikerinnen und Politikern zurufen: „Hallo! Hier sind wir! Wir brechen bald reihenweise zusammen und dann habt ihr auch nichts gewonnen. Denn dann funktioniert unsere gesamte Gesellschaft nicht mehr. Dieses Konstrukt, das unter anderem darauf basiert, dass Frauen nahezu die gesamte Care-Arbeit unentgeltlich erledigen und zu eurem Glück nicht aufmucken, weil sie einfach zu erschöpft und müde sind. Aber wir sind es auch, die die nächste Generation an Steuerzahler/innen erziehen!

    Mir kommt das Kinder- und Familienthema in der öffentlichen Debatte zu kurz, viel zu kurz. Ja, es gibt Stimmen, aber die sind für meinen Geschmack zu leise. Die Kitas sind seit mittlerweile acht Wochen geschlossen. Wo bleiben die intelligenten, kreativen Konzepte für Kinder und ihre Familien? Ist hier der Druck nicht groß genug, weil eine starke Lobby fehlt oder vermeintlich zu wenig Geld im Spiel ist? Hauptsache die Bundesliga spielt wieder?! Wenn ich die Soziologin Jutta Allmendinger höre, wenn sie für uns Mütter eine Retraditionalisierung prognostiziert und erkennt, dass uns Corona in alte Rollenmuster zurückdrängt, wird mir Angst und Bange. Um 30 Jahre ist ihrer Einschätzung nach die Gleichberechtigung zurückgeworfen worden. Das hatte ich mir für meine Mädchen ehrlich gesagt anders gewünscht!

    Ich verlange keine flächendeckende Öffnung der Kitas um jeden Preis, aber eine Perspektive, wie es verantwortungsvoll, der Gefährlichkeit des Virus Rechnung tragend realistisch weitergehen kann. Dass wir auf eurer Prioritätenliste an höherer Stelle auftauchen und nicht vergessen werden.

    Dürfen uns das psychische Wohlergehen und die gesunde Entwicklung von Kindern egal sein, die zum Beispiel langfristig ihre Freunde nicht sehen dürfen? K1 schläft manchmal traurig mit ihrem Kindergartenbild im Arm ein, bastelt sich ihre Freunde beim Frühstück aus Brotstücken und spielt jeden Tag, dass sie Geburtstag hat und alle Freunde zum Feiern kommen dürfen – da blutet einem als Mutter das Herz! Oder die in einer Realität aufwachsen, in der der Kontakt zu anderen Menschen als gefährlich wahrgenommen wird: K2 entwickelt eine regelrechte Phobie vor „Leuten“ und klammert sich jedes Mal hilfesuchend an mich, wenn uns Spaziergänger entgegenkommen. Die ihren Tages- und Schlafrhythmus, ihren gewohnten Alltag verloren haben. Die keine warmes Mittagessen in der Ganztagsschule mehr bekommen und im schlimmsten Fall Vernachlässigung und häuslicher Gewalt ausgeliefert sind. Die die Krankheit in ihrer kindlichen Vorstellung nicht erfassen können (K1 vermutet hinter jedem Verbot, dass Corona dahinterstecken könnte: „Ach so, wegen der Krankheit darf ich zum Frühstück keine Schokolade essen“). Die den Kontakt zu Gleichaltrigen für die Entwicklung ihres Sozialverhaltens dringend brauchen. Oder die von ihren Eltern keine Unterstützung bei den Hausaufgaben erhalten.

    Können und wollen wir auf intelligente, gut ausgebildete Frauen verzichten? Ich finde nicht! Also macht gefälligst was! Sorgt mit dafür, dass Frauen in wirklich systemrelevanten Berufen wie der Pflege und der Kinderbetreuung endlich Anerkennung erhalten und angemessen bezahlt werden. Schafft Rahmenbedingungen, die Frauen ermöglichen, sich mit ihren Fähigkeiten und Talenten einzubringen. Dafür benötigen sie Entlastung, zeitliche und finanzielle Freiräume.

    Auch wenn ich jetzt fordere und motze, macht ihr aktuell einen wirklich guten Job! Ich wollte momentan nicht tauschen und schwerwiegende, existenzielle Entscheidungen treffen müssen. Ich bin dankbar, in einem demokratischen, wohlhabenden Land mit verbrieften Grundrechten und einem funktionierenden Gesundheitssystem leben zu dürfen, das nicht von Idioten regiert wird!

    Jetzt muss ich los, die Bügelwäsche drängelt und meine Familie kommt gleich nach Hause…

  2. Auch Männer sind im Homeoffice und übernehmen Aufgaben, bsp.weise des Homeschoolings, obwohl man zwischen all den Telkos, Vikos etc. eigentlich keine Zeit hat… und das wird ja nicht besser, wenn die Schulen noch sagenhafte 3 Schultage in den nächsten 7 Wochen bis zu den Ferien anbieten…

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